Anti-Macker

Still not loving Sexism

Auch emanzipatorische, herrschaftskritische Räume und Strukturen sind oft von Sexismus und internen Hierarchien durchzogen. Wir wünschen uns stattdessen einen solidarischen Umgang. Cis-Männer¹, die ihr Verhalten reflektieren und mehr FLTI*²-Empowerment.

Denkt bei Aktionswochen darüber nach: Wer macht hier eigentlich was – und warum? Nicht nur auf der Straße ist (anti)Politik – Care Aufgaben sind genauso wichtig. Wer wird in Aktionsplannungen einbezogen – wer nicht und warum? Junge, sportliche, weiße³, cis-Männer, die Lust auf „action“ haben?

Wir haben nichts gegen Militanz – nur muss Militanz mackrig sein?

Wir stellen die Frage, wann und wo welche Aktionsform sinnvoll ist – und wann nicht. Wir beobachten auch öfter ein gewisses „rumposen“ mit möglichst „krassen“ Aktionen. Brauchen wir in „antikapitalistischen Strukturen“ wirklich Wettbewerb? Wir finden Solidarität viel toller!

Das gilt auch auf Plenas: Wer redet hier eigentlich wieviel und warum? Es könnte so viel mehr möglich sein in herrschaftskritischen Räumen – wenn da alle mal drauf achten. Also passt aufeinander auf, seid rücksichtsvoll und behaltet eure T-Shirts an!

Reflexionen über Redeverhalten und dessen Folgen

In politischen Zusammenhängen sind Plenas und Diskussionsrunden oft Orte, an denen sich Dominanz herstellt und deutlich zeigt. Das führt zur Ausgrenzung Anderer und Verdrängung dieser in Zuhörer*innenrollen, was wiederum die Dominanz stärkt. Dies hier  soll eine kurze Kritik an dominanten Redeverhalten sein,  das oft durch Sozialisation bedingt von Cis-Männern ausgeübt wird. Gleichzeitig werden auch Präventionen und Interventionen vorgeschlagen. Inspiriert ist der Text vor allem von der „Frauengruppe der jd-jl Bonn 1995“, sowie von a.g. gender-killer „Wie diskutieren? – Herrschaftsverhältnisse auf Diskussionsveranstaltungen“.

Kritikpunkte an dominanten Redeverhalten:

* Monologisieren, selbstgefälliges Dozieren
* Beanspruchen von langer Redezeit trotz vieler Plena-Teilnehmer*innen
* Redezeit an sich reißen (durch unterbrechen wie: „Ähmm,…sorry,..nur ganz kurz!“)
* mangelnde Sensibilität, wenn nur noch die Wenigsten sich an der Diskussion beteiligen
* Konträrer Diskussionsstil: Aufbauen von starren Fronten, die keine sein müssten
* Unfähigkeit auch mal vom eigenem Standpunkt abzurücken
* Unfähigkeit auf die Meinung anderer zu reagieren und ihnen zuzuhören
* Diskussionen nach dem Konkurrenzprinzip, anstatt konstruktiv einen Konsens zu suchen
* aggressives Redeverhalten, d.h.: lautes Sprechen, unterbrechen Anderer und die eigene Meinung als absolute Wahrheit präsentieren, statt sie als persönliche kritisierbare Ansicht zu akzeptieren
* Verwendung hochtrabender Fremdwörter um Eindruck zu schinden
* ständiges Wiederholen des selbigen Inhalts mit anderen Worten, dadurch Streckung der Redezeit

… und was sind die Folgen davon für Andere?

* kein Einbringen in Diskussionen, wenn nicht ein aggressives oder dominantes  Redeverhalten kultiviert wird
* Verdrängung in Zuhörer*innenrolle und abqualifiziert werden als Mitläufer*innen
*  inhaltliche, klare und kurze Aussagen werden schnell übergangen und weniger wahrgenommen
* Vertreibung aus politischen Zusammenhängen

Laute Redepraktiken:

„Laute Praktiken“ sind Handlungen mit denen Andere direkt angegriffen und in ihrem Freiraum begrenzt werden. Das bedeutet vor allem das Unterbrechen anderer Diskussionsteilnehmer*innen, oder disqualifizieren von Redebeiträgen durch Kommentare, Grinsen, Augenverdrehen, etc. Durch aggressiven Ton werden unliebsame Stimmen zum schweigen gebracht und Menschen mit weniger Souveränität eingeschüchtert.

Leise Redepraktiken:

„Leise Praktiken“ schränken zwar Andere nicht direkt ein, dienen jedoch der eigenen (meist männlichen) Selbstdarstellung. Solche Mittel sind sehr schwer zu fassen und deshalb ein beliebtes Mittel (männliche) Dominanz zu demonstrieren, so z.B. durch ausufernde Länge und dozierendem Ton. Sich permanent unreflektiert den Raum zu nehmen, bedeutet gleichzeitig ihn anderen zu beschneiden und ihnen weniger Platz für Beiträge zu geben. So werden eigene Interessen vor derjenigen anderer gestellt. Immer wieder tauchen Sätze auf, die die eigene Kompetenz zeigen sollen. Beispiele sind: „Wie in aktuellen Debatten ja betont wird…“, „Wie es bei Marx ja schon heißt…“. Das führt dazu, dass die eigene Meinung als objektive Wahrheit dargestellt wird um sich vor Kritik zu schützen. Hinzukommt die Unfähigkeit Tipps anzunehmen und diese stattdessen mit der Geste „ja das ist schon klar“ abzutun.
Deshalb: Vorschläge, Ansprüche, Forderungen

* Es darf nicht nur die Aufgabe der Betroffenen sein destruktives Redeverhalten zu benennen und zu ändern, sondern auch die Aufgabe Aller!
* Konstruktive Gespräche mit einem gegenseitigen Aufeinandereingehen
* Wissen gemeinsam erweitern ohne so zu tun als ob mensch sowieso schon alles weiß
* Alle (aber vor allem Cis-Männer) sollten sich überlegen wann sie, was, wo und wie lange sagen. Gegebenfalls sich auch mal in Diskussionen zurückstellen und anderen Raum lassen
* Moderator*innen können vor Plenas und Vorträgen auf strukturelle Herrschaftsverhältnisse aufmerksam machen und bei Vorfällen reagieren.
* Quotierte Redelisten & und Erstredner*innenliste für strukturell benachteiligte Menschen

Passt aufeinander auf! Hier sollen sich alle wohlfühlen können! Total Liberation!

1 Bezeichnet alle, denen von Geburt an das Geschlecht „männlich“
zugeschrieben wurde und die sich damit identifizieren.
2 FLTI* ist die Abkürzung für Frauen/Lesben/Trans*/Inter* und eine
Gruppenbezeichnung für Menschen, die negativ von Sexismus betroffen sind.
Als Trans* bezeichnen sich verschiedene Identitäten die sich nicht, oder
nicht ganz mit dem bei der Geburt zugeordneten Geschlecht identifizieren.
Inter* ist eine Selbstbezeichnung von Menschen die wegen ihrer Anatomie
und/oder Chromosomen und/oder Hormonen nicht eindeutig dem weiblichen
oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden.
3 Rassismus bringt nicht nur (strukturelle) Diskriminierung mit sich,
sondern auch eine (strukturelle) Privilegierung von Weißen. Mit der
Benennung von weiß sollen Selbstverständlichkeiten sichtbar gemacht
werden, die sonst als unsichtbare Norm im Alltag wirken. In Deutschland
ist vor allem die Gleichsetzung von weiß=deutsch virulent. In diesem
Zusammenhang ist auch die Frage nach „Woher kommst du eigentlich?“ zu
begreifen, wenn Menschen nicht den „typischen“ Merkmalen von „den
Deutschen“ entsprechen (also Hautfarbe, Haarfarbe, Religiösität). Jedes
Wissen über Weißsein geht aus dem (Überlebens-)Wissen von PoC hervor.