Awareness

Zum Awarenesskonzept

Im AZ arbeiten wir seit längerem mit Awareness-Strukturen, um einen Rahmen zu gestalten, in dem bewusst gegen Diskriminierungen jeglicher Art vorgegangen wird. Außerdem wollen wir so eine Reflektion über gesellschaftliche Machtverhältnisse anregen und daran geknüpft eine emanzipatorische Praxis entwickeln.

Awareness, was ist das überhaupt?
Awareness bedeutet Gewahrsein oder Aufmerksamkeit. In diesem Kontext bezieht sich Aufmerksamkeit auf eine aktive Haltung gegenüber diskriminierendem Verhalten. Unter Diskriminierung verstehen wir hier z.B. sexistisches, homophobes, transphobes, rassistisches, mackeriges,… Verhalten. Awareness beinhaltet somit, verstärkt auf Diskriminierung zu achten, ansprechbar zu sein, gegebenenfalls zu intervenieren und Betroffene zu unterstützen. Ansprech- und Awarenessstrukturen sind ein Übergangshilfsmittel, das solange notwendig ist, bis sich ein parteiliches, intervenierendes Handeln aller etabliert hat.

Was heißt Awareness konkret innerhalb der GATHER&RESIST- Tage?
Besonders innerhalb dieser Zeit, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, sehen wir die Notwendigkeit, dass wir alle gemeinsam auf eine sensible Atmosphäre achten. Akzeptiert die Grenzen von Anderen. Nein heißt Nein! Falls euch grenzüberschreitendes Verhalten auffällt und ihr es euch zutraut, schreitet ein. Wir alle sind für die Atmosphäre hier verantwortlich. Achtet auf euer Auftreten. Genauer bedeutet dies u.a. Treffen nicht als Bühne der Selbstdarstellung zu sehen. Habt euer Redeverhalten im Blick – lasst andere Menschen ausreden und haltet keine Monologe. Dinge, die schon gesagt wurden, durch dich oder andere, müssen nicht wiederholt werden. Wortbeiträge von Anderen sollten nicht kommentiert bzw. abgewertet werden, weder verbal, noch durch Mimik und Gestik (z.B. Augenrollen). Überlegt euch, wie ihr euch in Räumen verhaltet. Seid nicht Raum-ergreifend, lasst allen ihren Raum!

Was kann grenzüberschreitendes Verhalten sein?
Verschiedene Personen haben ganz unterschiedliche Grenzen, die zu respektieren sind. Eine Grenzüberschreitung kann schon durch eine flüchtige Berührung als solche wahrgenommen werden. Ferner können Gestik und Mimik, Körpersprache und nonverbale Reaktionen, sowie deine Art ein Gespräch zu beginnen oder dich im Raum zu präsentieren, für andere eine unangenehme Atmosphäre schaffen.

Wenn du dich einer Person auf intimer Ebene näherst, ist es immer vorher besser einmal zu viel als einmal zu wenig zu fragen, ob dein Verhalten für die Person okay ist. Denn ab wann genau eine sexuelle Handlung beginnt, wird sehr subjektiv wahrgenommen. Zum konkreten Umgang in intimen Situationen empfehlen wir das Zustimmungskonzept. Es definiert das freiwillige und ausdrückliche Einverständnis aller beteiligten Personen bei einer spezifischen sexuellen Handlung. Mehr dazu findest du hier in verschiedenen Sprachen: http://defma.blogsport.de/material/ (Plakat: „Nein heißt Nein! – Zustimmungskonzept“, Zine in englisch: „learning good consent“).

Was kann ich tun, wenn ich Unterstützung brauche?
Wenn ihr von grenzüberschreitendem Verhalten betroffen seid, könnt ihr euch Unterstützung holen. Entweder ihr sucht euch selbst Unterstützer*innen vor Ort oder ihr meldet euch beim Awareness-Handy. Die Nummer wird vor Ort bekannt gegeben und in Form von Aushängen sichtbar sein. Im Falle eines Anrufs kann das Awarenessteam innerhalb kurzer Zeit vor Ort sein, sich außerhalb des AZ’s in einem ruhigen Raum treffen, oder auch einfach nur telefonieren. Wenn du lieber mit einer Person einer bestimmten Positionierung (z.B. Person of Colour¹ oder FrauenLesbenTransInter*²) sprechen möchtest, bemühen wir uns, eine passende Ansprechperson zu finden. Das Awareness-Team agiert in Orientierung an dem Definitionsmacht-Konzept. Dieses kann ebenfalls unter http://defma.blogsport.de/material/ (Flyer: „Defma stellt sich vor!“) nachgelesen werden.

1 „People of Color“ (PoC) ist eine politische Kategorie und eine
Selbstbezeichnung von Menschen, die von rassistischen
Unterdrückungserfahrungen betroffen sind. Ziel ist es, die Verbundenheit
zwischen den Menschen mit unterschiedlichen Rassismuserfahrungen
(wieder-)herzustellen. Das Konzept beruht auf der Gleichzeitigkeit von
Identität und Differenz: Hier wird versucht, die Gemeinsamkeiten der
verschieden erlebten Rassismuserfahrungen herauszuarbeiten ohne dabei
die Verschiedenheit dieser zu leugnen.
2 FLTI* ist die Abkürzung für Frauen/Lesben/Trans*/Inter* und eine
Gruppenbezeichnung für Menschen, die negativ von Sexismus betroffen sind.
Als Trans* bezeichnen sich verschiedene Identitäten die sich nicht, oder
nicht ganz mit dem bei der Geburt zugeordneten Geschlecht identifizieren.
Inter* ist eine Selbstbezeichnung von Menschen die wegen ihrer Anatomie
und/oder Chromosomen und/oder Hormonen nicht eindeutig dem weiblichen
oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden.

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About our awareness concept

At the AZ we’ve been working with awareness structures to create a
framework in which we can act conciously against discriminations of all
kinds. With this we also want to encourage reflections about the
distribution of power in society and develop an emancipatory practice.

Awareness – what’s that anyway?
‚Awareness‘ means, well, awareness or attention. In this context, attention relates to an active attitude towards discriminatory behavior, where discrimination means e.g. sexist, homophobic, transphobic, racist, machist, … behavior. So ‚awareness‘ means to pay attention to discrimination, to offer help, to intervene if necessary and to support affected persons. Help- and awareness structures are just an aid for a time of transition, until a solidary and intervening practice of everyone is established.

What does Awareness mean in practice during the days of G&R?
Especially in this time when many people come together in a tight space, we see the need that we all together create a sensitive atmosphere. Accept other people’s boundaries. No means no! If you notice invasive behaviour (that is: any violation of another person’s boundaries), and you dare to intervene – intervene. We are all responsible for the atmosphere here. Be aware of your appearance. That is to say, among other things, to see meetings not as a stage for self-portrayal. Have your speaking behavior in mind, let other people finish speaking and do not carry on with monologues. Things, already been said from you or other persons, don’t have to be repeated. Inputs from other participants should not be commented or devalued, neither verbal, nor through gesture and facial expressions (e.g. rolling of your eyes). Think about how to behave in rooms. Do not capture space, but leave it to everyone – do not restrict anybody.

What can be invasive behaviour?
Different people have very different boundaries, which we have to respect. Even a slight touch can be seen as a boundary crossing. Further, it is possible that your gesture and facial expressions, your body language and nonverbal reactions as well as your way to start a conversation or present in space are disagreeable for others.

If you get in intimate contact with a person, it is always better to ask twice than not at all, whether your behavior is okay or not.It is perceived quite subjectively what a sexual action is or at what point it begins. We recommend the ‚concept of consent‘ in intimate situations. It defines the voluntary and explicitly agreement of all participants during a specific sexual act. You can find more information on this topic in different languages: http://defma.blogsport.de/material/ (posters „no means no!“ & zine in english: „learning good consent“)

What can I do if I need support?
If you are affected by invasive behaviour, you can get support. You can either try to find supporters around you or call the Awareness phone. The number will be announced and posted. Our awareness team can meet you as fast as possible at the AZ, or in a quiet room outside, or just talk to you on the phone. If you prefer to talk to a person of a certain kind (for example Person of Color, or Women/Lesbian/Trans/Inter*), we will try to find a suitable partner. The Awareness-Crew orientates to the concept of ‚Power of Definition‘. You can find some german information concerning the concept on: http://defma.blogsport.de/material/